
Ein neuer Schafskrimi – absolut gelungen, herrlich komisch und dabei auch noch tiefgründig
Endlich die Fortsetzung der erfolgreichen Schafskrimi-Reihe von Leonie Swann. Und der neue Band steht dem Beginn in nichts nach – allerdings hätte es nicht geschadet, wenn ich die ersten Romane „Glenkill“ und „Garou“ noch einmal gelesen hätte, bevor ich in „Widdersehen“ eingestiegen bin. Obwohl man das neue Buch auch ganz wunderbar versteht, ohne die ersten Bände zu kennen.
Die Schafherde mit ihrer Schäferin Rebecca ist zurück aus Europa, angekommen wieder auf ihrer alten Weide. Doch zu ihrem Entsetzen grasen dort drei neue Schafe, mit den poetischen Namen Eins, Zwei und Drei. Und nicht nur das, kaum angekommen, verschwindet Rebecca, nachdem sie eine ominöse Nachricht erhalten hat.
Gemeinsam machen sich die Schafe nun daher auf die Suche nach ihrer Schäferin, obwohl sie doch eigentlich einfach nur ihre Ruhe und ihr Gras haben möchten. Aber Leitwidder Othello, Seniorwidder Ritchfield, das verfressene Schaf Mopple the Whale, Madouc, das Schaf auf Probe und nicht zuletzt die schlaue Miss Maple wollen ihre Schäferin zurück.
Auf dem langen Weg, den sie nun zurücklegen müssen, begegnen ihnen nicht nur freundliche Menschen, sie treffen auch auf die eine oder andere Leiche, brechen in einen Supermarkt ein, lernen jemanden kennen, den sie kurzerhand zu ihrem neuen Schäfer küren und bringen schließlich eine Erpresserband zur Strecke.
Das Ganze wird konsequent aus Sicht der Schafe erzählt. Leonie Swann gelingt es erneut, sich komplett in die Tiere hineinzuversetzen, ihnen den einen oder anderen menschlichen Zug zu verleihen und uns somit einen großen Spiegel vorzuhalten, ohne belehrend zu wirken.
Besonders herrlich die Szenen, wenn sich die Schafe Schauergeschichten erzählen, die sie dann kaum noch von der Wirklichkeit unterscheiden können. Was dazu führt, dass ihrem neuen Schäfer eine ganz außergewöhnliche Rolle zukommt, zumindest in der Meinung der Tiere.
Natürlich ist nicht immer alles wirklich plausibel, aber es macht so viel Spaß, diese Geschichte zu lesen, man ist so nah dran an den Schafen, ihren vorrangigen Interessen wie Fressen und Ruhe, ihren Träumen und Sehnsüchten, ihren Eigenarten und Spleens, dass ich durch die Seiten regelrecht gejagt bin. Jedes der Tiere ist ein Individuum, jedes hat seine ausgeprägten Züge, seine Eigenheiten, so dass man sie im Laufe der Lektüre einfach liebgewinnen muss und die ganze Zeit mit ihnen mitfiebert.
Ein wunderbares Buch, ein Wohlfühlbuch trotz des Krimi-Aspekts, ein Roman, der intensiv den Wunsch weckt, noch öfter mit dieser Schafherde Abenteuer zu erleben.
Leonie Swann – Widdersehen
DuMont, April 2026
Gebundene Ausgabe, 333 Seiten, 25,00 €
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