
Charmante Story mit Witz, Tempo und Humor – klassischer Krimi voller Wendungen
Die ultimative Herausforderung für Ermittler, egal ob Hobbydetektivin oder Inspektor: Ein Mord in einem verschlossenen Raum, ohne Geheimtür und ohne jeden Hinweis auf Täter oder Täterin.
Dies ist der Ausgangspunkt in diesem gelungenen Kriminalroman, der auf herrlich altmodische Art von einem Todesfall in England im Jahr 1910 erzählt. Während die Welt auf den Halley’schen Kometen wartet oder ihn fürchtet, weil das den Weltuntergang bedeuten könnte, schließt sich Lord Stockingham mit seiner Familie auf einer abgelegenen Insel ein, aus eben jenem Grund.
Abergläubisch, wie der Lord ist, müssen alle Türen und Fenster verriegelt und verbarrikadiert werden, die der Familienmitglieder ebenso wie die Räume der Dienerschaft. Und nicht zuletzt auch der Raum, in welchem sich der Lord selbst aufhält. Dennoch wird genau er am folgenden Morgen – die Welt hat den Kometen unbeschadet überstanden – tot in dem versiegelten Raum aufgefunden, mit einem Pfeil im Auge. Tot sind ebenfalls die Fische in seinem Aquarium.
Sofort gerät der zuletzt engagierte Diener in Verdacht, der Ich-Erzähler Stephen Pike, zumal er doch gerade im Gefängnis gesessen hatte. Angeblich wurde er von einer Verwandten des Ermordeten für die Stelle empfohlen.
Stephen muss nun also, um nicht in die Fänge des herbeigeeilten, aber völlig unfähigen Ermittlers zu geraten, selbst den Fall aufklären. Hilfe oder vielmehr heftigen Antrieb bekommt er von der Tante des Toten, Decima Stockingham. Ihres Zeichens eine von der gesamten restlichen Familie gehasste und besonders schrullige alte und kranke Frau, die eigentlich Wissenschaftlerin werden wollte. Sie sorgt nun dafür, dass Stephen nach und nach herausfindet, was geschah und wer in die Tat und andere Schlechtigkeiten verwickelt ist.
Das Ganze wird so munter und temporeich erzählt, dass man wirklich durch die Seiten jagt, von ein paar kleinen, vernachlässigbaren Längen einmal abgesehen. Das Figurenpotpourri umfasst alles, was zu einer adligen englischen Familie der damaligen Zeit gehört, von der absonderlichen Lady über den Säufer bis zu dem arroganten Schnösel und dem verwöhnten Kind. Dazu kommen natürlich noch die üblichen Dienstboten, wie der altgediente Butler, die Hausdame und die nervösen Zofen sowie der eifersüchtige Hausbursche. Hier sind dann manche Stereotypen zu finden, was aber überhaupt nicht stört, sondern für den nötigen Humor sorgt.
Auch wenn nicht alles immer wirklich plausibel erscheint, manches an den Haaren herbeigezogen wirkt, macht der Roman wirklich Spaß. Zumal die Geschichte so geschickt erzählt und so verwickelt ist, dass man wirklich bis kurz vor Schluss nicht ahnt, wer Täter oder Täterin war.
Fazit: ein gelungener altmodischer und durchweg auch spannender Krimi, der gut unterhält und mit sympathischen Figuren aufwartet. Gerne mehr von dieser Art.
Ross Montgomery – Tee, Tod und die versiegelte Tür
Originaltitel: The Murder at World’s End“
aus dem Englischen von Sabine Thiele
Piper, April 2026
Taschenbuch, 399 Seiten, 17,00 €