Julia Bruns – Die Langeweile stirbt zuletzt

Was für ein Spaß! Und was für ein geniales Personal, das diesen Roman bevölkert! Wer dieses Buch gelesen hat, verweigert entweder für immer den Einzug in ein Seniorenheim – oder er kann es überhaupt nicht abwarten, bis es soweit ist.

Ich-Erzähler Helmut Katuschek, seines Zeichens pensionierter Kriminalkommissar, lebt seit einer Weile zusammen mit seiner Angetrauten Margot in einem Seniorenheim. Gegen seinen Willen, das muss betont werden, denn er hält sich eigentlich noch für zu jung für diesen Wohnort, seine Margot jedoch, mit einem recht biestigen, auf jeden Fall aber dominanten Charakter ausgestattet, hat den Einzug ins Heim beschlossen und Helmut musste mit.

Einziger Lichtblick im quälend langweiligen Heim-Alltag ist die Küchenhilfe Selma, die sich den Humor nicht verbieten lässt und die Helmut als seine Freundin betrachtet. Doch leider liegt Selma eines Tages tot in der Küche, ein Fleischgabel in der Nase.

Aus nostalgischen Gründen – Helmut war gerne Polizist – aber auch, weil er wissen will, wer die beliebte Frau getötet hat, beginnt der von seiner Gattin schwer geprüfte Mann, im Heim zu ermitteln. Das geht auch deswegen, weil nämlich der offizielle Ermittler niemand anderer ist als sein eigener früherer Untergebener.

An Helmuts Seite stehen bei den klandestinen Ermittlungen die männermordende Jutta, die sich mit den Toten unterhält, und die neu eingezogene frühere Pathologin Dr. Böttcher. Damit beginnt der Spaß erst so richtig, denn Frau Böttcher hat immer mal wieder Aussetzer und vergisst wer und wo sie ist. Jutta versucht derweil, Selma im Totenreich zu befragen und Helmut verdächtigt den Ex-Freund der Ermordeten.

Turbulent geht es zu in diesem Seniorenstift, die Bewohner sind herrliche Karikaturen, liebevoll überspitzt gezeichnet, ohne zu beleidigen, ohne sich auf Kosten alter Menschen lustig zu machen. Das Ganze wird mit liebenswertem Charme erzählt. Vor allem Helmuts trockene Kommentare über das Verhalten seiner Frau, ihren Umgang mit ihm und ihre Beziehung zur Toten sind herrlich zu lesen. Manches Lachen bleibt dabei fast im Halse stecken, weil die Beschreibungen zu treffend, so lebensnah sind. Das ganze Buch ist ein wunderbarer Spaß und ich hoffe sehr, dass Helmut Katuschek weitere Gelegenheiten erhält, im Seniorenstift Verbrechen aufzuklären.

Julia Bruns – Die Langeweile stirbt zuletzt
dtv, Juni 2022
Taschenbuch, 350 Seiten, 10,95 €

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