Larry Beinhart – Crime: Kriminalromane und Thriller schreiben

Warum braucht es eigenen Ratgeber für das Schreiben von Kriminalromanen? Wodurch unterscheidet es sich, ob man einen Liebesroman oder einen Thriller verfasst? Wer sich diese Fragen immer mal wieder gestellt hat, sollte dieses Buch lesen.

Larry Beinhart, sehr erfolgreicher Autor von Romanen und Drehbüchern, erklärt auf leichtfüßige und wunderbar spannende Art, was es braucht, um einen erfolgreichen Krimi zu schreiben. Dabei fand ich seine Ratschläge, seine Tipps und Anregungen, die vor allem auf seiner eigenen Erfahrung beruhen, so nützlich, dass man die meisten davon voll und ganz auf jedes Genre anwenden kann.

Beispielsweise wenn es um die Ausarbeitung der Figuren geht, um den Entwurf und die Gestaltung einer Szene und deren Einbindung in das Kapitel respektive den gesamten Roman. Oder wenn es darum geht, höchste Spannung aufzubauen (die darf es nämlich meiner Meinung nach durchaus auch in einem Liebesroman geben).

Sehr anschaulich und flott lesbar greift Larry Beinhart alle Themen auf, die mit dem Schreiben von Romanen zusammenhängen, dabei natürlich immer mit dem Fokus auf Krimis. Daher auch ein eigenes Kapitel über die hier besonders wichtigen Recherchen. Nicht minder von Bedeutung ist in diesem Genre der Szenenaufbau. Dieser soll, was grundsätzlich zutrifft, die Handlung vorantreiben, aber bei Kriminalromanen auch gerne sogenannte Haken und Aufhänger (so auch der Titel des entsprechenden Kapitels) beinhalten. Um es mit meinen Worten zu sagen. Immer zwei Schritte vor und einen halben zurück. So hält man die Spannung hoch und die Leser:innen bei der Stange. Ein Beispiel ist hier die Andeutung von sich nähernder Gefahr, die dann aber stets doch ausbleibt. Nur um dann, wenn die Leserin nun aber gar nicht mehr damit rechnet, eben doch, und das mit Getöse, wahr zu werden. „Wichtig ist, wie viele Male das Monster nicht auftaucht – wichtig ist das ständige Versprechen, dass jeden Moment etwas geschehen wird.“ (S. 29). Er nennt das sehr treffend „erzählerische Dynamik“.

Was mir besonders gut gefiel – nicht nur, weil es für mich selbst immer der wichtigste Aspekt beim Schreiben ist – sind seine Erläuterungen zur Ausarbeitung der Figuren. Diesem Thema gibt er breiten Raum in seinem Buch. Für die Entwicklung der Figuren schlägt er vor, sich der Fragebogen eines Psychiaters zu bedienen, die dieser bei der Erstbefragung neuer Patienten verwendet. Neben den „technischen“ Daten, wie Alter, Geschlecht, Herkunft usw. beschäftigen sich diese Fragen viel mit dem Hintergrund, dem familiären und sozialen Umfeld und deren Einflüssen auf den Charakter. Aus den Antworten auf diese Fragen zieht der Psychiater seine Schlüsse und macht sich Notizen.

Diese wiederum entsprächen etwa den Aufzeichnungen, die sich ein Detektiv beim Erstgespräch mit dem neuen Klienten macht. Beide lernen dadurch ihr Gegenüber kennen und so geht es dem Autor mit seiner Figur. Mich fasziniert diese Methode, denn das ist es doch, was wir im Grunde tun, wenn wir eine Figur erschaffen: wir erstellen ihr Psychogramm.

Ein weiterer Punkt, der weniger mit dem Schreiben des Krimis zu tun hat als mit seiner Rezeption, ist die Betonung von Klarheit (so auch der Titel des Kapitels). Klarheit ist das, was gutes Schreiben ausmacht. Larry Beinhart vertritt die Meinung, dass ein schwierig zu lesender Text entgegen der verbreiteten Ansicht, eben gerade keine gute „Literatur“ sei. „Diese beinahe perverse Haltung ist ein Produkt der Bildungselite, in deren Augen es die wichtigste Aufgabe eines Kritikers ist, sich selbst wichtiger zu nehmen als die zu kritisierende Arbeit und zu verbreiten, dass ein Werk nur durch die Interpretation des Kritikers verstanden werden kann“ S. 76).

Natürlich befasst sich der Autor auch mit den üblichen Fragen nach Perspektive, Erzählstimme, Erzählperson und vielem mehr. Das ist der Grund, warum ich finde, dieses Buch sollte man lesen, wenn man gute Bücher schreiben möchte, egal welchen Genres.

Das Abschlusskapitel schließlich trägt den Titel: Können Sie nach dieser Anleitung ein Buch schreiben? Die Antwort auf diese Frage findet man nur heraus, wenn man es versucht. Mit diesem Ratgeber kann es gelingen, finde ich.

Larry Beinhart – Crime: Kriminalromane und Thriller schreiben
aus dem Amerikanischen von Kerstin Winter
Autorenhaus Verlag, 2015
Taschenbuch, 235 Seiten, 16,80 €


Schau auch hier: James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Kriminalroman schreibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.