Uwe M. Schneede – Paula Modersohn-Becker

Spätestens seit einem Aufenthalt in Worpswede bin ich Fan von Paula Modersohn-Becker (1876-1907). Aber nicht nur ihre Bilder begeistern mich, vor allem die Frau und ihre Geschichte faszinieren. Nachdem ich nun kürzlich, zusätzlich zur Lektüre dieses Buches, auch noch eine umfangreiche Ausstellung ihrer Werke in der Schirn in Frankfurt/Main besuchen konnte, ist vieles wieder sehr präsent.

Paula Modersohn-Becker ist mit ihrer Art der Malerei nicht immer auf Gegenliebe gestoßen.

Beginnend mit ihrer Familie, die sich ein anderes Leben für die Tochter gewünscht hätte, über die „Mitschüler“ an den wenigen Instituten, die zu ihrer Zeit einer Frau, die die Malerei erlernen wollte, offen standen, bis hin zu den Malerkollegen in der Worpsweder Kolonie. Doch sie blieb stur, auch was das lebenslange Lernen anging. Sie probierte sich aus und sie probierte das aus, was sie sich in den Kopf gesetzt hatte.

Nach einer Zeit in der Worpsweder Ruhe, in Gesellschaft anderer mehr oder weniger bekannter Maler, zog es sie nach Paris, wo sie in der Neujahrsnacht im Jahr 1900 zum ersten Mal ankam. Gegen viele Widerstände, trotz etlicher heftiger finanzieller Engpässe blieb sie sich selbst treu und lernte, lernte, lernte.

Im vorliegenden Buch sind diese Phasen des fast besessenen Schaffens in Paris und die entspannteren Zeiten im Atelier in Worpswede ausführlich beschrieben. Ihr Lebensweg, ihre Wechsel im Stil, ihre Beziehungen zu Freunden und Kollegen, all das wird anschaulich dargestellt. Nicht immer liest sich das Buch von Uwe Schneede flüssig, manchmal schweift er ab, aber immer sind die Berichte interessant und fesselnd. Uwe Schneede war Direktor der Hamburger Kunsthalle und Professor für Kunstgeschichte an der Universität in München.

Das Schönste an seinem Buch aber sind in meinen Augen die gelungen reproduzierten Werke von Paula Modersohn-Becker, die ein Blättern durch die Seiten zu einem Genuss machen. Es ist ein Buch, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt. Um sich an dem so abwechslungsreichen Stil der Malerin zu erfreuen oder um das eine oder andere Detail aus ihrem Leben nachzulesen. Der viel zu frühe Tod Paula Modersohn-Beckers im Alter von nur 31 Jahren hat eine erstaunliche Karriere beendet. Zum Glück für uns hat sie in ihrem kurzen Leben eine Unmenge an Werken vollendet, an denen wir uns heute immer wieder erfreuen können.

Für Liebhaber ihrer Kunst ein empfehlenswertes Buch.

Uwe M. Schneede – Paula Modersohn-Becker: Die Malerin, die in die Moderne aufbrach
C.H. Beck, September 2021
Gebundene Ausgabe, 239 Seiten, 29,95 €

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