Diane Setterfield – Was der Fluss erzählt

Es war einmal ein Wirtshaus …“ (S. 11). So beginnt dieser märchenhafte Roman, der zugleich spannend, mystisch, amüsant, poetisch, fantastisch und sogar ein wenig gesellschaftskritisch ist.

Mit liebevollem Augenzwinkern sowie hin und wieder einem zarten Hauch von Ironie erzählt die Autorin von geheimnisvollen Ereignissen gegen Ende des 19. Jahrhunderts am Oberlauf der Themse. Es beginnt eines Abends in besagtem Wirtshaus, als ein schwer verletzter Mann die Schenke betritt, in den Armen ein kleines Mädchen. Sie ist tot, so hat es den Anschein und so beurteilt es auch Rita, die erfahrene und stets pragmatische Krankenschwester des Ortes. Doch das täuscht, die Kleine erwacht und von nun an steigt die Spannung von Seite zu Seite.

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Elke Heidenreich – Männer in Kamelhaarmänteln : Kurze Geschichten über Kleider und Leute

Protect me from what I want“ So steht es jetzt auf den T-Shirts einer Frau, die sich immer wünschte, mit einem Musiker zusammenzuleben und die bekam, was sie sich wünschte ….

Ein prickelndes, erfrischendes Potpourri aus Anekdoten, Erinnerungen und skurrilen Geschichten findet sich in dem neuen Buch der bekannten Autorin Elke Heidenreich. Sie erzählt aus ihrer Kindheit und der Zeit ihrer Pubertät, als Kleiderfragen dem Alter entsprechend lebenswichtig wurden. Sie berichtet von Treffen mit Berühmtheiten, zu denen sie völlig unpassend gekleidet erschien. So geschehen bei einem Interview mit Heinz Rühmann, bei dem sie zu einer ihrer eigenen Jeans eine geliehene Seidenbluse trug, was dazu führte, dass der Schauspieler sie während des Gesprächs völlig ignorierte. Elke Heidenreich blickt auch zurück auf ihre Beziehung zu ihren Eltern und besonders zu ihrem Vater, „der einzige Mann, der Kamelhaarmäntel tragen konnte“. 

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Mary Beth Keane – Wenn du mich heute wieder fragen würdest

Eine Familiengeschichte, eine Liebesgeschichte, eine Geschichte von Schuld und Verantwortung, all das ist dieser Roman. Ein Roman mit präzise ausgearbeiteten Figuren, lebensecht, sympathisch, mit Fehlern, Ängsten und Störungen, mit starken Persönlichkeiten und scheiternden Charakteren.

Kate und Peter wachsen auf als Nachbarskinder in einer Kleinstadt in der Nähe von New York. Ihre Väter sind beide Polizisten und haben kurz nacheinander die benachbarten Häuser in Gillam gekauft. Francis und Lena Gleeson haben drei Töchter, die jüngste ist Kate. Sie wird nur wenige Monate nach Peter geboren, dem einzigen Kind von Brian und Anne Stanhope. Während Lena in ihrer Familie zu Hause und mit Haushalt und der Erziehung der Kinder ausgelastet ist, kommt Anne nie wirklich im Kleinstadtidyll an und wird im Laufe der Jahre psychisch immer labiler. Das zeigt sich besonders in ihrem Umgang mit ihrem Sohn Peter und ihrer strikten Ablehnung seiner Freundschaft mit Kate. Schließlich ist genau das der Auslöser einer schlimmen Katastrophe, die das Ende der Freundschaft zwischen den Familien und die Trennung von Kate und Peter bedeutet. Sie verlieren sich aus den Augen.

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Katja Kleiber – Sturm über der Eifel

Ein Schamane wird ermordet. In einem keltischen Heiligtum. In der Eifel. Geht es noch mystischer? Na klar. Eine Kräuterhexe ermittelt.

Das sind die Zutaten zu dem neuen Krimi von Katja Kleiber, dem zweiten mit der Hobbyermittlerin Ella Dorn, der sogenannten „Eifelhexe“. Der Ermordete war ein sanfter, vor allem bei Frauen sehr beliebter Mann, der mitten im „Goloring“, dem keltischen Heiligtum, erstochen aufgefunden wurde. Ella, die sich sehr zu dem Ermordeten Leo Schmidt hingezogen gefühlt hatte, ist erschüttert. Nach und nach versucht sie, die Motive zu ergründen und stellt viele neugierige Fragen an die Menschen in der Umgebung. Dadurch gerät sie schließlich selbst in große Gefahr.

Dabei ermittelt natürlich auch die Polizei. Und zwar in Person von Tanja Marx und Peter Claes. Beide kennen Ella bereits aus einem vorherigen Fall, eben dem im ersten Band geschilderten. Es gibt viele Spuren in Fall Leo Schmidt, etliche Menschen, bei denen Tanja und Peter ein Motiv vermuten. Erst langsam kristallisiert sich heraus, um was es wirklich geht.

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Anja Wedershoven – Im Schatten der Kopfweiden

Ich durfte die Mönchengladbacher Autorin Anja Wedershoven 2013 kennenlernen, als ihr erstes Buch „Schürfwunden“ erschien. Das Romandebüt über die Umsiedlungen im Zusammenhang mit dem Kohletagebau Garzweiler hatte mich fasziniert und begeistert. Daher habe ich mich gefreut, als ich entdeckte, dass jetzt von ihr ein Krimi bei emons erschienen ist.

„Im Schatten der Kopfweiden“ erzählt von dem Mord an einer jungen Kinderärztin, die in Geldern am Niederrhein zwischen Mülltonnen gefunden wurde. In dem Fall ermittelt zusammen mit ihren Kollegen die junge, gerade aus Berlin in ihre alte Heimat zurückgekehrte Kommissarin Johanna Brenner. Ziemlich schnell kommen die Beamten auf die Spur eines Stalkers, der die Kinderärztin verfolgte und sie belästigte. Doch ist das der einzig mögliche Täter?

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven berichtet, die manchmal etwas unvermittelt wechseln. Da ist einmal die Kommissarin, Johanna, die nicht so ganz freiwillig an den Niederrhein zurückkehrte. In Berlin, wo sie die letzten Jahre verbrachte, hatte es einen dramatischen Vorfall gegeben, der zu ihrer Versetzung führte. Zum anderen verfolgen wir die Handlung aus der Sicht von Axel, Johannas Kollegen, der ihr zunächst offen und freundlich begegnet, nach und nach aber doch auch Vorbehalte entwickelt.

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Annegret Held – Eine Räuberballade

Hier nun der dritte Band der Trilogie um das Westerwälder Dorf Scholmerbach. Diesmal verlegt die Autorin die Geschichte an das Ende des 18. Jahrhunderts.

Tatsächlich gemahnt der Roman an eine Ballade. Er erzählt von Hannes, dem Sohn von Wilhelm. Die beiden sind so grundsätzlich verschieden – aufsässig, wild, ungebärdig der Sohn; fromm und vom Leben gezeichnet der Vater. Es kommt eines Tages zum Eklat und Hannes geht fort. Er schließt sich einer Bande von Räubern an und lernt, wie ein Auszubildender, das Handwerk der Räuberei. Dabei steht er sich reichlich oft selbst im Weg, verstößt er doch auch hier immer wieder gegen die Regeln und bringt mehr als einmal die ganze Bande in Gefahr.

Derweil ist Wilhelm immer verzweifelter, er hat ja auch noch seine schwer kranke Frau und die kleine Tochter, die er versorgen muss. In der Hoffnung auf Hilfe begibt er sich auf eine Wallfahrt und tatsächlich, als er nach Hause kommt, scheint es seiner Frau besser zu gehen.

Und da gibt es noch Gertraud, die beim Müller als Magd unterkommt. Gertraut passt so gar nicht in das Bild der fügsamen, dem Manne gehorchenden Frau. Sie widersetzt sich den Anweisungen der Müllerin, streitet auf das Heftigste mit dem Müller und schikaniert den Knecht. Doch gerade ihre forsche Art sorgt dafür, dass sie oft die Geschäfte für den Müller abschließt, da sie sehr gut verhandeln kann mit den Bauern, die das Korn bringen und das Mehl holen. Und Gertraud ist stark, sie hat so gut wie vor nichts Angst.

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Blake Snyder – Rette die Katze! Das ultimative Buch übers Drehbuchschreiben

Die Gesetze des Blake Snyder! Wer braucht noch etwas anderes, um schreiben zu können. Nachdem ich dieses ultimative Buch nun endlich gelesen habe, verstehe ich, warum all die anderen Autoren und Autorinnen von Ratgebern über das Kreative Schreiben aus dem Buch von Blake Snyder zitieren und jedem und jeder raten, sich an seine „Gesetze“ zu halten.

Das Buch ist im Original 2005 erschienen und wurde in diesem Jahr vom Verlag in neuer Ausgabe herausgebracht. Blake Snyder, der bereits 2009 verstarb, ist ein in den USA bekannter Drehbuchautor, der hier all seine Tricks offenbart und das auf unnachahmliche Weise. Sein Stil ist so munter, humorvoll, selbstironisch und flott, dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag. Und das ist für einen Ratgeber ja doch eher ungewöhnlich.

Dabei ist unbedingt festzuhalten und zu unterstreichen, dass all seine Tipps und Anregungen eins zu eins übertragbar sind auf das Schreiben von Romanen und Geschichten. Diese Tricks funktionieren nicht nur bei Drehbüchern. Natürlich hat man manches oder vieles auch schon anderswo gelesen – und ich habe wirklich viele Ratgeber übers Schreiben gelesen – aber noch nie fand ich alles so klar und leicht verständlich, so nachvollziehbar und nachahmbar, so herrlich frisch und locker formuliert.

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Annegret Held – Armut ist ein brennend Hemd

Was für ein Titel! Ein Titel, der die ganze Wucht dieses Buches perfekt ausdrückt. Denn darum geht es im Roman von Annegret Held: um Armut.

Über den Zeitraum der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erzählt sie die Geschichte des Westerwälder Dorfs Scholmerbach und seiner Einwohner. Diese sind einfache Menschen, Bauern, Handwerker und fast alle bettelarm. Da gibt es nur einmal im Leben neue Schuhe, Kleider werden von einem Kind an das andere weitergegeben, bis sie so fadenscheinig sind, dass sie nur noch als Lumpen taugen. Da sind die Besuche des Krämers im Dorf sowas wie Feiertage, wo man all die Dinge, die man sich doch nie wird leisten können, bestaunen darf. Da sind die Frauen mit Anfang Vierzig ausgelaugt und viel zu früh gealtert von den unzähligen Geburten und all der vielen Arbeit mit der Kinderschar, die ernährt und versorgt werden will. Zehn oder fünfzehn Kinder in der Familie sind keine Seltenheit, dass davon aber nur ein kleiner Teil das Erwachsenenalter erreicht, ist eben auch keine Seltenheit.

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