Zuerst kommt der Mörder

James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Kriminalroman schreibt

Als großer Fan von James N. Frey und seinen Büchern zum Kreativen Schreiben ist es natürlich selbstverständlich, dass auch ich als Nicht-Krimiautorin dieses, von emons neu aufgelegte Buch des bekannten Autors lese. Dabei darf man den Untertitel nicht unterschlagen „Von der Inspiration bis zum fertigen Manuskript: eine schrittweise Anleitung“.

Und genau das ist dieses Buch: eine detaillierte, umfangreiche und für angehende Krimiautor*innen meines Erachtens unverzichtbare Anleitung zum Schreiben eines spannenden und von Anfang bis Ende durchdachten Kriminalromans. Besonders interessant war für mich eines der ersten Kapitel, in dem der Autor die Gründe nennt, warum Menschen so gerne Krimis lesen. Dabei zitiert er andere Fachleute und Autoren, die z.B. diese Gründe nennen: der Nervenkitzel, die Befriedigung, den Übeltäter bestraft zu sehen, die Identifikation mit dem Helden und schließlich das Gefühl, die Geschichte spiegele die Realität wieder. Insbesondere über letzteres ließe sich sicher streiten, aber das muss jede*r für sich selbst hinterfragen.

Am Anfang eines jeden Romans und also auch eines Krimis steht natürlich die Idee. Frey erklärt, woran wir gute und schlechte Ideen unterscheiden können und wie hilfreich es ist, sich an erfolgreichen Krimischriftstellern zu orientieren. Übrigens sind natürlich viele der Tipps und Anleitungen, die wir in diesem Buch bekommen, auf andere Genres übertragbar, auch wenn es in jeweiligen Roman vielleicht keinen Schurken oder Mörder gibt.

Davon ausgehend, dass ein guter Krimi (fast) immer einen Mord zum Thema hat, ist die Schaffung der Figur des Mörders eine der ersten Aufgaben. Hier hilft die Lektüre von Lajos Egris „Literarisches Schreiben“ enorm weiter, ein Buch, das ich von Herzen empfehlen kann und auf das Frey in seinem Buch wiederholt verweist.

Bevor wir uns dann an die Ausarbeitung des Plots machen sollten ist die Figurenentwicklung dran. Die Figur des Gegenspielers des Mörders, also der Held/Detektiv des Romans ist dabei die nächste. Übrigens liegt hier einer meiner Kritikpunkte am vorliegenden Buch von James Frey: von Anfang bis Ende verwendet er diesen Doppelbegriff Held/Detektiv, ausgehend von der Struktur der Heldenreise, eine gängige Plotbasis, insbesondere bei Krimis. Diese Schreibweise ist mit der Zeit unglaublich störend, ein Hinweis zu Beginn, dass mit Held immer der Detektiv (oder umgekehrt) gemeint ist, hätte m.E. völlig ausgereicht. So wie es ist wird das Lesen erschwert und die Lesefreude vermindert.

Desgleichen hat der ständige Verweis auf die anderen beiden Bücher des Autors „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt, Teil I und Teil II“  auf die Dauer ziemlich genervt. Eigenwerbung ist gut und schön und hier durchaus berechtigt, aber die eigenen Machwerke auf gefühlt jeder zweiten Seite zu zitieren wirkt doch reichlich aufdringlich und störend.

Davon unabhängig ist die Qualität des Ratgebers natürlich unbestritten. Das Buch ist in jedem Fall Pflichtlektüre für angehende Krimiautoren. Wie Frey anhand eines durchgängig als Basis der Erläuterungen verwendeten Beispielkrimis Figuren entwickelt, einen Plot entwirft, das Stufendiagramm ausarbeitet und schließlich auch die Anfangsszene gestaltet, das ist faszinierend, wunderbar leichtfüßig geschrieben und fesselnd zu lesen. Fast wirkt es, als nähme man an einem Workshop des Autors teil und höre ihn leibhaftig sprechen.

Abgeschlossen wird schließlich die Anleitung mit den in anderen Büchern zum Kreativen Schreiben oft vernachlässigten Themen: wie finde ich eine Agentur, wie läuft die Zusammenarbeit mit einem Lektor, wie vermarkte ich mein Buch.

Fazit: Ein – trotz der genannten Kritikpunkte – uneingeschränkt empfehlenswertes Buch für Krimiautoren und solche, die es werden wollen.

James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Kriminalroman schreibt
emons, Dezember 2019
Paperback, 270 Seiten, 16,80 €

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